Kinder- und Jugendarztpraxis

Dipl.-Med. Jens-Uwe Köhler

Beeinträchtigen die gängigen Masken die Versorgung bei Kindern?
(Zitat aus einer aktuellen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.)

Viele Eltern sorgen sich, dass ihr Kind während des Maskentragens nicht ausreichend Sauerstoff erhält. 


Zur Beantwortung dieser Fragen sind einige grundsätzliche Anmerkungen zu den normalen Vorgängen bei der Atmung zu machen:

Die Atmung dient zum einen der Sauerstoffaufnahme, zum anderen der Abatmung des Stoffwechselproduktes Kohlendioxid (CO2). Der stärkste Atemantriebe sind


Der Atemantrieb führt zu einer Erhöhung der Atemfrequenz und einer Vertiefung der Atmung (Vergrößerung des Atemzugvolumens). Das sogenannte Atemminutenvolumen steigt. Bei körperlicher Aktivität kommt es durch den angeregten Stoffwechsel zu einem vermehrten Anfall von CO2 im Blut, dass durch verstärkte Atemtätigkeit wieder abgeatmet wird. Jeder Sportler kennt das, jeder, der körperlich anstrengende Tätigkeit ausübt, kennt das auch. 

Der Körper braucht eine leichte Erhöhung der CO2-Konzentration im Blut, das triggert dann vermehrte Atemarbeit und hält somit die CO2-Konzentration im Blut in einem Normbereich stabil. Auch die Sauerstoffsättigung im Blut bleibt in einem Normbereich stabil.

Das gilt für alle Altersgruppen.



Was ist der sog. „Totraum“?


Die Atemwege bestehen aus den Anteilen der Lunge, die direkt am Gasaustausch teilnehmen, den s.g. Lungenbläschen oder Alveolen. Die größeren luftführenden Anteile der Lunge und der Atemwege (Bronchien, Luftröhre, Mund/Nasen/Rachenbereich) nehmen nicht am Gasaustausch teil, sie werden als „Totraum“ bezeichnet.

Die aktuellen MNB/MNS sind nicht gasdicht, sie haben seitlich keine Abdichtungsvorrichtungen, so dass eine Rückatmung des in die Maske abgegebenen CO2 in geringerem Umfang stattfindet. Die Rückatmung kann zu einer minimalen Erhöhung der CO2-Konzentration führen, die aber - wie oben ausgeführt - über eine vermehrte Atemtätigkeit problemlos ausgeglichen wird.

FFP-Masken im medizinischen Bereich sind abdichtend, bei richtiger Tragweise wird der Totraum vergrößert. Auch das können Kinder kompensieren.

Je dichter eine Maske ist, desto mehr steigt der Atemwegswiderstand. Auch das wird durch etwas vermehrte Atemarbeit ausgeglichen, kann aber als unangenehm empfunden werden und insbesondere bei langem Tragen ohne Pausen zu Symptomen wie z.B. Kopfschmerzen führen.



Gibt es Studien zur Wirkung des Maskentragens auf Kinder?


Untersuchungen zum Tragen von MNB- oder MNS-Masken spezifisch im Kindesalter liegen bezgl. einzelner Fragestellungen vor. Eine Untersuchung der CO2-Konzentration des Blutes bei kindlichen Maskenträgern im Ruhezustand würde aus den o.g. Gründen keine erkenbare Veränderung zeigen, da selbst unter der Annahme einer leichten CO2-Rückatmung die Kinder das mit gering vermehrten Atemarbeit kompensieren würden.



Reagieren Kinder anders auf Maskentragen als Erwachsene?


Der kindliche Organismus ist autonom und lebenskompetent. Kinder haben keinen vermehrten Sauerstoffbedarf im Vergleich zu Erwachsenen, sie atmen unter normaler Raumluft genauso komfortabel wie Erwachsene. Das Atemzugvolumen ist bei Kindern und Erwachsenen auf das Körpergewicht bezogen identisch (6-8 ml / kg Körpergewicht). Eine Sauerstoffuntersättigung des Blutes tolerieren Kinder nicht so lang wie Erwachsene. Es gibt allerdings aus den o.g. Gründen keine theoretische Begründung einer Gefahr einer Sauerstoffuntersättigung unter Maskenatmung, aus den vorliegenden Studien im Erwachsenenalter (inkl. auch älterer Menschen) wissen wir, dass vor, unter und nach dem Tragen einer Maske kein Absinken der Sauerstoffsättigung des Blutes unter den Normbereich bzw. CO2-Anstieg oberhalb des Normbereiches zu beobachten ist. Es gibt keinen Grund, bei Kindern anderes anzunehmen.

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